Ein OL-Abenteuer am anderen Ende der Welt


Köpfchen mit Beinen oder wie man wandernd in ein A-Finale bei den Senioren-Weltmeisterschaften im Orientierungslauf einzieht. Ein Reisebericht von Ute Lösch (USV Jena)


In diesem Jahr (2017) stand bei Familie Lösch wieder eine große OL-Reise auf dem Programm, ans andere "Ende" der Welt nach Neuseeland.

Vom 21. bis 30. April fanden die World Masters Games in Auckland statt, die auch den Orientierungslauf beinhalten.

28000 "Alters"-Sportler, darunter ca. 1800 OLer trafen sich, um in 28 Sportarten bei verschiedensten Disziplinen ihre Weltmeister zu ermitteln und ganz nebenbei neue Freundschaften zu schließen.

Weil man ja von OL nie genug bekommen kann und man sich auf ungewohnte Gelände mit ungewohnter Vegetation einstellen muss, konnten die OLer die Wettkämpfe der Oceania Championships 2017 vom 14. bis 20. April als Vorbereitung auf die Senioren-Weltmeisterschaften nutzen. Zwei Läufe waren gleichzeitig für die Elite-Klasse Weltranglistenläufe.

Deshalb gab es bei Familie Lösch auch gleich noch ein Familientreffen. Susen und Felix, die seit Herbst 2016 auf OL-Weltreise waren, hatten ihr Programm so eingeteilt, dass sie zu den Läufen in Neuseeland weilten.

Ute und Steffen traten also am 8. April die lange Reise nach Auckland an und checkten am 10. April in ihr Hotel ein. Susen und Felix waren schon vorher von Südamerika aus auf die Südinsel gereist und kamen am 11. April in die heimliche Hauptstadt Neuseelands.


Nach einigen touristischen Aktivitäten starteten alle am 14. April zum ersten OL-Wettkampf ein Sprint in einem der Universitätsgelände von Auckland.

Susen setzte ihre Erfolge aus Südamerika in der Damen Elite fort und belegte den 4. Platz mit nur 26 Sekunden Rückstand. Bei den Herren Elite war die Leistungsdichte erheblich höher und Felix wurde 18. Steffen erreichte den 15.Platz.

Ich hatte auf Grund meiner immer wiederkehrenden gesundheitlichen Probleme, besonders mit den Füssen, zu den Oceania-Wettkämpfen nur D55Kurz gemeldet. Da fühlt man sich schon sehr alt, denn man läuft die gleichen Strecken wie die D80. Aber die Gesundheit geht vor.

Nachdem ich daher schon beim Sprint eine gute Platzierung (3. von 11 Starterinnen) erreichte, obwohl ich wegen des harten Untergrundes nur gewandert bin, konnte ich beim ersten Langdistanz-Wettkampf im Woodhill-Forrest meine Stärke beim Orientieren voll ausspielen und gewann meinen ersten Wettkampf mit internationaler Beteiligung mit einem erheblichen Vorsprung von 12:45 min. Die anspruchsvollen Postenstandorte im feinkupierten Gelände erforderten volle Konzentration auf den richtigen "Absprung"-Punkt, um die Posten sicher und ohne Fehler anzulaufen. Dabei war das üppige übermannshohe Pampas-Gras im Wald eine Herausforderung, da man es tunlichst vermeiden sollte, die Blätter zu berühren, um nicht schmerzhafte Risse in der Haut davonzutragen.

Susen kam ausgezeichnet in dem Gelände zurecht und belegte Platz 2 mit einem Rückstand von nur 27 Sekunden. Felix lag das Gelände nicht und war im Ziel sehr unzufrieden. Auch Steffen kämpfte mit den anspruchsvollen Postenstandorten und wurde 38.

Der Mitteldistanz-Wettkampf am 17. April fand dann südlich von Pukehohe auf dem Gelände einer Ranch in einem sehr interessanten und steilen Gebiet mit Kalksandsteinfelsen statt. Schon die Anreise über einen langen Schotterweg war abenteuerlich.

Da es sich bei dem Wettkampfgelände um Weideland handelte, gab es eine Unmenge von Zäunen (meist Stacheldraht bewehrt), die man passieren durfte. Da ich aber nicht mehr springen kann, entpuppte sich die Überwindung der Zäune als ein großes Hindernis und entsprechend schlecht war meine Laufzeit. Umso schöner war das Gelände, in das nie ein normaler Tourist kommen würde.

Susen wurde wieder 2. Felix verbesserte sich auf Platz 17 und auch Steffen steigerte sich enorm auf Platz 9.

Am 18. April zog der OLer-Tross nach Rotorua, in die weltberühmte neuseeländische Kleinstadt mit ihren geothermalen Quellen und Geysiren um.

Am nächsten Tag fand dort ein weiterer Wald-Wettkampf statt dieses Mal im Redwood-Forrest. Wieder handelte es sich um einen neuen Waldtyp - dichter, meist sehr hoher Farn behinderte die Sicht und die Einschätzung des Höhenprofils war nicht immer einfach.

Susen konnte hier mit einem großen Vorsprung von 8:23 min gewinnen. Steffen kam bestens mit dem Gelände zurecht und belegt Platz 5 mit nur 5:05 min Rückstand und ich wurde 4.

Zum Abschluss der Oceania-Wettkämpfe fand am 20. April noch ein Sprint in den Government-Gardens direkt am Rotorua-See und neben dem Stadtzentrum statt, wobei der Zieleinlauf am berühmten Badehaus vorbeiführte.

Der durch extreme Regenfälle in der Vorwoche verursachte hohe Wasserstand des Rotorua-Sees brachte die Veranstalter in ziemliche Schwierigkeiten, da einige Postenstandorte im Wasser versunken waren. Dieses Problem wurde durch enorme Fleißarbeit (händische Korrektur einiger längerer Bahnen) gemeistert. Allerdings bekamen die meisten Teilnehmer ziemlich nasse Füße. Doch strahlender Sonnenschein entschädigte für alle Anstrengungen.

Susen konnte erneut mit einem Vorsprung von 52 Sekunden gewinnen.

Auch Felix lag dieses Sprintgelände, er wurde 4 mit einem Rückstand von nur 55 Sekunden. In Steffens Altersklasse starteten 86 Läufer und er holte sich mit dem 12. Platz eine richtig tolle Platzierung und ich wurde wieder 4.

Wir wählten auf der Rückreise nach Auckland noch ein entspannendes Bad in einigen ausgespülten Kesseln im Abfluss des Kerosene Creek. Dessen Wasser war durch Thermalquellen so warm wie in der Badewanne und die enthaltene Kieselerde pflegte die Haut ausgezeichnet.

So waren wir gewappnet für die nächste OL-Runde die Senioren-Weltmeisterschaften im Sprint und über die Langdistanz.


Am Sonntag, den 23. April fanden die Qualifikationsläufe für den Sprint-Wettkampf im EPSOM-Gelände der Universität Auckland statt. Steffen schaffte es zwar erwartungsgemäß, am Ende aber sehr knapp ins A-Finale. Ich ging wieder in Ruhe wandern.

Das Sprint-Finale fand dann einen Tag später im Albert-Park mit seine mächtigen alten Bäumen und dem angrenzenden Universitätsgelände mit dem berühmten Glockenturm statt. Steffen meisterte den Geländewechsel und die Zwangspassage durch einen Tunnel unter der viel befahrenen Symonds-Street sehr gut und erreichte den 16. Platz bei 160 Teilnehmern in der Altersklasse H55. Ich ärgerte mich über einen völlig unklaren Postenstandort, der im B-Finale eine bessere Platzierung als Platz 8 verhinderte.

Am nächsten Tag nutzten wir das Long-Model-Event zur Einstimmung auf die anspruchsvollen Gelände der Langdistanz-Läufe wieder im Woodhill-Forrest und testeten auch schon mal die Anreise mit Bahn und Bus. Das bedeutete nämlich für Steffen Entspannung vom Linksfahren.

Der Wald ist durch aufgeforstete Pinienbestände geprägt, aber die Wettkampf-Gebiete umfassten auch Dünenwald und dichtbewachsene Abschnitte im wieder sehr feinkupierten Gelände. Ein Trainingsposten stand unmittelbar an der Steilküste und der Blick auf die Tasman-See mit der stürmischen Brandung war einfach beeindruckend.

So machten wir nach dem Training auch noch einen Strandausflug an die "Black Beach". Der Sand ist nämlich wegen seines vulkanischen Ursprungs fast gänzlich schwarz.

Bei den Langdistanz-Qualifikationsläufen erreichte Steffen als 25. unter 79 Startern entspannt das A-Finale. Ich ging wie gewohnt den Großteil der Strecke wandern und staunte am Ende über meinen Platz 30 unter 59 Starterinnen. Damit hatte ich sogar noch den Einzug ins A-Finale geschafft - das erste Mal in meinem OLer-Leben. Aber es zeigt sich eben, wie wichtig im Orientierungslauf die "Kopfarbeit" ist. Denn in diesem feinkupierten Wettkampfgelände war es extrem wichtig, an der Karte zu "kleben", die Höhen mitzulesen, ständig konzentriert zu bleiben. Auch die vielen Fehlstempel anderer Läufer zeigen, wie anspruchsvoll die O-Aufgaben waren.

So konnten wir in freudiger Erwartung unserer Finalläufe den folgenden freien Tag für einen Besuch des Kauri-Museums mit der weltgrößten Bernstein-Sammlung nutzen und auch einige der noch erhaltenen, riesigen Kauri-Bäume selbst in Augenschein nehmen.

Am letzten Wettkampftag, dem Tag der Finalläufe, meinte es der Wettergott nicht gut mit uns und ließ es fast ununterbrochen regnen. Da ist man als Brillenträger schon mal im Nachteil. Die Final-Bahnen waren erwartungsgemäß deutlich länger als die der Quali-Läufe, so dass es für mich als "Wanderer" sehr anstrengend wurde. Und prompt versagte mein Kopf. Ich traf Posten 13 nicht und konnte das Gelände erst von einem großen Weg aus wieder zuordnen. Trotz meines enormen Rückstandes von 41:13 min verbesserte ich meine Platzierung und freute mich am Ende über Platz 52. Auch Steffen konnte sich im Finale noch einmal deutlich steigern und erreichte abschließend mit 15:51 min Rückstand den 38. Platz. Also zufriedener Abschluss für uns alle.

So ging ein wunderschöner OL-Urlaub zu Ende. Und über unsere vielen touristischen Aktivitäten müsste ich eigentlich noch einen weiteren Artikel schreiben. Aber vielleicht schaut ihr euch auch einfach auf dem Blog von Susen und Felix die vielen schönen Bilder unserer Reise an.

Auckland